Darf’s ein bisschen mehr sein? – Update

Vor zwei Monaten habe ich hier die Partiedatenbanken von Lichess vorgestellt und meine Erfahrungen bei dem Versuch, diese in das Schachdatenbankprogramm Chessbase zu importieren. Hierbei hat sich nun etwas geändert:

Mit der aktuellen Programmversion 32 (vom 28.09.2017) von Chessbase 13 (und dies soll auch für Chessbase 14 gelten) ist es nun ohne Absturz oder Fehlermeldungen möglich, eine Datenbank mit mehr als 10 Millionen Lichess-Partien zu erstellen.

Die originalen PGN-Dateien von Lichess müssen zwar weiterhin zunächst in 1-GB-Dateien zerlegt werden (erst Chessbase 15 soll dies nicht mehr erforderlich machen), aber diese kann man dann in 1 große Datenbank im Chessbase-Format einfügen. Ausprobiert habe ich das mit den Lichess-Partien aus den Monaten Juli bis September: 37.606.225(!) Partien ergeben eine Chessbase-Datenbank mit (alle Indexdateien hinzugerechnet) knapp 45 GB Datenvolumen. Kann man, kann Chessbase damit arbeiten? Ja, es geht. Das Filtern auf die Partien eines bestimmten Spielers ist eine Sache von  weniger als einer Minute, das Anlegen eines Großen Eröffnungsschlüssels von knapp 10 Minuten.

(Noch) nicht perfekt ist der Umgang mit einzelnen Tag-Feldern in den Lichess-PGN-Dateien durch Chessbase: So versteht Chessbase das Partiedatum nicht (Lichess speichert es als UTCDate statt einfachem Date), und der Turnierlink (Event-TAG) überschreitet die maximal zulässige Länge bei Chessbase. Das könnte man in Chessbase 15 vermutlich ohne großen Aufwand anpassen.

Dark-Knight-Studien auf Lichess

Auf Lichess gibt es mit der Studien-Funktion eine elegante Möglichkeit, Parten oder Analysen einfach und benutzerfreundlich zu veröffentlichen (inclusive Eröffnungsbuch, Tablebase und Stockfish 8 engine).

Für Dark-Knight-Freunde habe ich zwei Studien erstellt. In der einen veröffentliche ich eigene Partien mit 1. … Sc6, in der zweiten gebe ich einen kurzen Überblick über die Abspiele nach 1.e4 Sc6):

FIDE-Titel für Online-Spieler

Der Weltschachverband FIDE vergibt offizielle Titel für Spieler auf der Plattform FIDE Online-Arena, vom Arena Candidate Master (ACM) bis zum Arena Grand Master (AGM). Die aktuelle Liste der Titelträger wurde jüngst veröffentlich unter https://arena.myfide.net/news/list-of-players-with-arena-titles . Danach zeigt sich, dass es bislang erst knapp 300 AGM gibt (dieser Großmeister-Titel ist somit exklusiver als der „richtige“ 😉 ).

Meister-Spieler mit einer „richtigen“ ELO jenseits der 2.000er Marke mögen diese Titel belächeln. Für einen Amateur haben sie aber ihren Reiz, und es ist – aus eigener Erfahrung – gar nicht so einfach, die Titelnormen für einen AGM zu erfüllen.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Die Schachdatenbank Megabase 2017 incl. aktueller Updates umfasst rd. 7 Millionen Partien. (Fast?) alle Partien wurden live am Brett (auf Neudeutsch over the board ) gespielt, ganz überwiegend mit klassischer Bedenkzeit (d. h. wenige Schnellschach- oder gar Blitzpartien).

Nun wird Schach aber seit Jahren nicht nur over the board, sondern – vor allem von Amateur und Club-Spielern – auch und gerade online gespielt. Marktführer chess.com wirbt mit über 18 Millionen Mitgliedern (wohl inklusive inzwischen inaktiver Registrierungen); da wirken die knapp 700.000 Spieler mit einer offiziellen ID des Weltverbandes FIDE schon fast wie eine Minderheit.

Online-Spieler sind es gewohnt, ihre Partien einzeln oder auch insgesamt mit wenigen Klicks herunterladen zu können (um sie z. B. mit einem Schachprogramm nachzuspielen und Fehler zu finden). Lichess setzt hier noch einen drauf: Unter https://database.lichess.org/ kann man alle(!) seit Januar 2013 auf dem Server gespielten Partien downloaden.

Womit sich zunächst einmal ein quantitatives Problem stellt: Die Lichess-Datenbank umfasst über 200 Mio.(!) Partien aus einem Zeitraum von weniger als 5 Jahren (die oben genannte Megabase 2017 umfasst die gesamte Schachturniergeschichte). Um diese Datenmenge rein technisch zu bewältigen, hat Lichess sie in einzelne Monats-Dateien gebündelt. Auch diese lassen sich nicht sinnvoll als PGN-Dateien downloaden, daher hat Lichess sie komprimiert (das Linux-typische Dateiformat bz2 lässt sich auch mit den meisten Windows-Zip-Programmen problemlos öffnen). Aber auch komprimiert reden wir hier von insgesamt über 30 GB Daten.

Nach Download und Entpacken stellt sich das nächste quantitative Problem: Chessbase 13 kann keine PGN-Dateien öffnen, die größer sind als 2 GB (das steht zwar bislang so nirgendwo, aber der freundliche Chessbase-Support kam mir hier mit Rat zu Hilfe). Da sollte man auch nicht zu laut über Chessbase „schimpfen“, denn das PGN-Format ist zwar Standard und entsprechend weit verbreitet, aber sicher nicht erfunden worden, um derartige Partie-Mengen effizient zu verarbeiten.

Die Lösung für das 2-GB-Problem bietet das freie kleine Hilfsprogramm PGN Split. Damit lässt sich eine rd. 25 GB große PGN-Datei (so groß ist allein die Monatsdatei Juli 2017) in 1 GB große einzelne Dateien vollautomatisch zerlegen.

Diese einzelnen PGN-Dateien jetzt in eine große Chessbase-Datei zu importieren (was mein erster Gedanke war) führt leider wieder zu einem quantitativen Problem: spätestens ab 10 Mio. Partien streckt Chessbase 13 mit einem Runtime Error die Waffen. Eigentlich sollte das nicht passieren, denn laut dem (weiterhin freundlichen) Support von Chessbase gibt es keine Obergrenze bei der Größe einer Chessbase-Datenbank (abgesehen von den Systemressourcen des Rechners, aber der sollte mit 16 GB RAM und reichlich freiem Festplattenspeicher noch nicht das Problem gewesen sein).

Lösung für dieses Problem: zunächst jede einzelne PGN-Datei ins Chessbase-Format umwandeln, anschließend diese in Chessbase-Datenbanken zusammenfassen, die nicht wesentlich mehrals 6 Mio. Partien umfassen.

Diese Vorbereitungen kosten Zeit. Sinnlos vertane Zeit? Warum sollte man 200 Mio. online-Partien in einer Datenbank sammeln? Welcher schachliche Erkenntnisgewinn ist hier zu erhoffen?

Zugegeben, die gezielte Vorbereitung auf einen Gegner auf Lichess ist eher selten gefragt (obwohl auf Lichess auch Ligaspiele ausgetragen werden, da ist ein Blick auf das Eröffnungsrepertoire des bekannten Gegners sicherlich nützlich). Auch seltene Perlen sind bei Amateurspielern vermutlich noch seltener zu finden als in den Tiefen des Ozeans (oder vielleicht doch nicht?). Aber wer weiß, vielleicht schlummern hier tatsächlich wertvolle Nadeln im Heuhaufen. Ganz zu schweigen von interessanten Informationen für Schachbuch- und DVD-Autoren: für welche Eröffnungen interessiert sich die Masse der Amateurspieler eigentlich?

Was die in Ratingpunkten zu fassende Qualität der Lichess-Partien angeht hier einmal ein erster Eindruck:

Von den 12 Mio. Partien im Monat Juli wurden mit klassischer Bedenkzeit (das bedeutet bei Lichess Bedenkzeit plus Inkrement mal 30 größer als 8 Minuten) fast 60.000 Partien von Spielern gespielt, die beide ein Lichess-Rating von mindestens 2.000 Punkten hatten. Betrachtet man die 2.000er Grenze einmal klassisch als „Amateur-Meister-Grenze“, so ist das schon eine ganze Menge  Schach mit Niveau für einen Monat (auch die 7 Mio. Partien aus der Megabase 2017 sind mitnichten alle von Spielern mit einem Rating über 2.000 ELO-Punkten gespielt worden, genau genommen sind es nur etwas über 3 Mio.).

Fazit: Die Lichess-Datenbank dürfte die größte frei zugängliche Schachdatenbank sein. Die dadurch bedingten technischen Probleme (Kapazitätsgrenzen) lassen sich momentan wie oben beschrieben beherrschen (eleganter wäre es natürlich, wenn die Dateien gleich Chessbase-geeignet auf dem Lichess-Server lägen). Bislang habe ich „nur“ zwei Datenbanken mit insgesamt 12 Mio. Partien mit Chessbase analysiert; was passiert, wenn man eine Suchanfrage über mehr als 30 Datenbanken mit 200 Mio. Partien laufen lässt wird sich zeigen (geht Chessbase in die Knie oder liefert es nach 24 Stunden Suche ein perfektes Ergebnis)?

 

 

The Dark Knight System – ein Überblick

The Dark Knight System (TDKS) ist ein Eröffnungssystem für Schwarz, das darauf basiert, auf (nahezu) jeden weißen Eröffnungszug mit 1. … Sc6 zu antworten.

Am häufigsten sieht man den kecken Springerzug gegen 1.e4 (Nimzowitsch-Verteidigung), seltener gegen 1.d4 (hier zumeist als Überleitung zur Tschigorin-Verteidigung), noch seltener gegen 1.c4 und 1.Sf3.

Großmeister (oder gar Super-Großmeister) spielen TDKS allenfalls als seltene Überraschungswaffe. Warum das so ist, wissen natürlich nur Großmeister 🙂 . Dem normalsterblichen Schachspieler (der Engländer nennt ihn gerne club player, unabhängig davon, ob er überhaupt in einem Verein spielt) ist das System wärmstens zu empfehlen, insbesondere dem busy man (eine weitere englischsprachige Bezeichnung für denjenigen club player, dem Beruf und Familie vergleichsweise wenig Zeit für das Auswendiglernen von Eröffnungsvarianten lässt, was selbstredend auch für busy women gilt). Denn hier bestimmt Schwarz mit seinem allerersten Zug, wohin die Eröffnungs-Reise der Partie geht (sofern Weiß nicht etwas anderes als 1.e4 / d4 / c4 / Sf3 zieht).

Auf dieser Website werden in loser Folge Beiträge zum Dark Knight System veröffentlicht: Theoretische Überlegungen, eigene Partien, Literaturhinweise etc.

Ich selbst spiele 1. … Sc6 seit über 30 Jahren (früher over the board, als busy man jetzt nur noch online), und zwar sowohl mit großem Vergnügen als auch mit überdurchschnittlichem Erfolg. Was kann man von einem Eröffnungssystem mehr verlangen!

Hier noch ein Überblick über Spezialliteratur und DVD zum Thema:

Online-Schach

Mit Online-Schach bezeichnet man das Spiel zwischen zwei Spielern, die sich nicht physisch am selben Ort am Schachbrett gegenübersitzen, sondern jeder für sich ortsungebunden ihre Züge via Computer, Tablet oder Smartphone ausführen. Ein Schach-Server übernimmt hierbei die Zugübermittlung, Kontrolle, Bedenkzeitüberwachung, Ergebnisauswertung, Rating u. v. m.

Online-Schach hat das Schachspiel insbesondere für Hobby- und Amateurspieler revolutioniert. Spieler nahezu jeglicher Spielstärke sind auf den Schach-Servern rund um die Uhr online und bereit für eine Partie (oder gar ein Online-Turnier). Auch Titelträger bis hin zu Super-Großmeistern tummeln sich hier, so dass sich im Online-Schach weitaus häufiger als im klassischen Spiel over the board für einen Amateurspieler die Möglichkeit ergibt, seine Klinge mit einem Titelträger zu kreuzen.

Stand heute (18.03.2017) gibt es eine Vielzahl von Schach-Servern mit unterschiedlichen Bseonderheiten im Angebot. Der Schachfreund muss sich dabei gar nicht für einen einzigen Server entscheiden, sondern kann auf beliebig vielen Servern spielen. Ohne Wertung in der Reihenfolge sind hier zu nennen:

Chess.com

Lichess

Schach.de bzw. playchess

Internet Chess Club

Premium Chess incl. FIDE Online Arena

Chess24

Chess.com

Mit nach eigenen Angaben über 15 Millionen registrierten Spielern ist chess.com der größte Schach-Server weltweit. Hierbei werden sicherlich auch Mehrfachregistrierungen und inaktive Spieler mitgezählt, aber die Live-Statistik verzeichnet in der Regel an die 20.000 Spieler und mehr.

Chess.com bietet eine kostenlose Mitgliedschaft sowie Premium Accounts an. Die damit jeweils verbundenen Vorteile sind transparent und übersichtlich dargestellt, dass jeweilige Preis-Leistungs-Verhältnis ist fair.

Chess.com wirkt vergleichsweise „amerikanisch“: bunt, viel Action, es wird einiges geboten. Es gibt Foren, Teams, Videolektionen – auf chess.com geht die Schach-Sonne 24 Stunden am Tag nicht unter. Rund um die Uhr werden auch Turniere veranstaltet in den Bedenkzeitmodi Bullet, Blitz und Schnellschach. Eine Besonderheit auf chess.com ist die Möglichkeit, Fernschach (d. h. Partien mit bis zu mehreren Tagen Bedenkzeit pro Zug) zu spielen. Der sportliche Reiz des Fernschach ist zwar in Zeiten der Engines stark zurück gegangen, wer aber keine Scheu davor hat, gelegentlich von einem „Cheater“ in Grund und Boden gespielt zu werden, kann beim server-gestützten Fernschach sehr viel lernen.

Das Spiel-Interface auf chess.com ist – insbesondere für kürzeste Bedenkzeiten – nicht perfekt. Es gibt keinen One-Klick-Move (direktes Anklicken des Zielfeldes, sofern dieses nur von einer einzigen eigenen Figur erreicht werden kann). Zumindest subjektiv bleibt der Eindruck, dass das Gameplay flüssiger sein könnte.

Lichess

Lichess verzeichnet rd. 80.000 aktive Spieler pro Woche, weit über 10.000 sind in der Regel gleichzeitig online. Damit ist der Spieler-Traffic ähnlich hoch wie bei Chess.com.

Bei Lichess gelten eine ganze Reihe von Besonderheiten. Das fängt beim Kleingedruckten an: Ein Impressum sucht man auf der gesamten Website vergeblich. Das mag für die Betreiber juristisch womöglich ein wenig heikel sein, dem Spieler ist es in der Regel egal. Denn – zweite Besonderheit – Lichess ist komplett kostenlos! Keine Gebühren, keine kostenpflichtigen Zusatzdienste, keine Premium-Accounts Bis vor kurzem gab es auch keinen angeschlossenen Online-Shop (jetzt gibt es einen, in dem man Lichess-Merchandisingartikel wie Tshirts,  Becher und natürlich Mousepads kaufen kann). Geld kann man auf Liches ansonsten nur auf eine einzige Weise loswerden: als freiwillige Spende in beliebiger Höhe an die Betreiber (via Paypal), einmalig oder regelmäßig, jederzeit stornierbar. Was hat man von einer Spende? (Fast) nichts. Es gibt keinerlei Zusatzleistungen oder ähnliches für Spender. Das „Fast“ umfasst nicht mehr als das gute Gefühl, einen fairen Beitrag für den Aufwand der Lichess-Betreiber zu leisten. Und es gibt ein kleines Signet am Spielernamen, das einen als Spender (Lichess nennt es „Patron“) kenntlich macht. Sehr dezent, vollkommen unaufdringlich.

Man muss kein Kommunist sein, um dieses Konzept großartig zu finden. Denn: es funktioniert. Lichess ist genau so professionell wie Chess.com programmiert, die Server haben ordentlich Power, es werden permanent Funktionen und Angebote weiter entwickelt, die Community brummt. Dabei ist das Design deutlich funktionaler und dezenter (man muss ja auch nicht laut und bunt auftreten, man hat ja nichts zu verkaufen).

Eine weitere Besonderheit ist das Turnierangebot: Lichess-Turniere werden (unterteilt in Bedenkzeitgruppen) in Arenen gespielt. Ein Arena-Turnier beginnt zu einer festgelegten Uhrzeit und läuft dann eine festgelegte Dauer (1 Stunde, 2 oder auch mehr bis zum 24-Stunden-Marathon). In dieser Zeit wird einem freien Spieler so schnell wie möglich ein Gegner zugelost, das heißt es gibt keine feste Anzahl an Runden wie etwa beim klassischen Rundenturnier oder beim sogenannten Schweizer System. Spielt man eine Kurzpartie, beginnt die nächste Partie fast unmittelbar danach und nicht erst, wenn alle anderen gleichzeitig begonnenen Partien beendet sind. Man kann nach freiem Ermessen in ein laufendes Arena-Turnier einsteigen oder auch aussteigen. Nachteil: Die Endtabelle eines Arena-Turniers sagt weniger über die Turnierleistung eines Spielers aus als beim klassischen Modus. Vorteil: Keine Wartezeit, permanent passende Gegner in der von einem selbst gewünschten Bedenkzeitgruppe. Wem es ums Spielen und ums Rating geht, der ist hier richtig. Wem es um Turnier-Trophäen wie bei Chess.com geht, der ist hier falsch.

Das Spiel-Interface ist etwas flüssiger als bei Chess.com (wenn auch hier ohne One-Klick-Move-Option).

Schach.de bzw. Playchess

Schach.de ist die Spiel-Plattform von Chessbase (der Hamburger Firma, die die gleichnamige Schachdatenbank erfunden hat). Es gibt zwar auch eine Browser-Variante, aber richtig Spaß macht es m. E. nur in der eigenständigen Software-Version.

Gemessen an den Registrierungen und Spielerzahlen ist Schach.de deutlich kleiner als Chess.com oder Lichess: knapp eine halbe Million Registrierungen und in der Regel weniger als 5.000 Live-Spieler. Dafür ist der Anteil der „ernsthaften“ Schachspieler hier deutlich höher. Die meisten Schach.de-Spieler werden auch Abonnenten des Chessbase-Magazins oder Käufer der zahlreichen Chessbase-Videolektionen sein. Dies ist auch das Konzept von Chessbase: Datenbank, Fritz-Software etc. lassen sich einfach untereinander und mit Schach.de verbinden. Alles zusammen bietet eine weitgehend perfekte Einheit, in der man anspruchsvoll Schach spielen und lernen kann. Es gibt regelmäßige Viedoübertragungen, Turnierkommentare und vieles mehr.

Die kostenpflichtigen Angebote gibt es in einer eingeschränkten Variante für Hobby- und Amaterspieler und in einer Premium-Variante für Vereins- und Turnierspieler. Alle Angebote sind technisch und inhaltlich hochwertig, die jahrzehntelange Erfahrung von Chessbase ist unübersehbar. Hier ist Schach eine ernste Sache, der „Fun-Faktor“ wie bei Chess.com ist hier deutlich kleiner. Vereinsspieler finden sich hier bestens zurecht, reine Hobbyspieler vermutlich weniger.

Auch wenn Schach.de sich als größten Schach-Server Europas bezeichnet, so sind die Spierzahlen mit denen von Chess.com oder auch Lichess nicht zu vergleichen. In der Praxis kann das dazu führen, dass man im Hauptspielsaal nicht innerhalb von 5 Minuten einen Gegner mit gewünschter Spielstärke und gewünschter Bedenkzeitregleung findet.

Das Brettdesign ist hervorragend, das Gameplay flüssig (und ja, hier funktioniert auch der One-Klick-Move).

Internet Chess Club

Der Internet Chess Club (ICC) ist die große alte Dame der Online-Schachserver (online seit 1995). Das erklärt einiges.

Für das Spielen im ICC werden mehrere Zugangsprogramme angeboten. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind nichts für Gelegenheitsspieler. Selbsterklärend, benutzerfreundlich – Fehlanzeige. Als Neuzugang sollte man schon mal ein Wochenende reservieren, um sich hier zurechtzufinden. Ältere Semester, die sich auch noch an eine Zeit vor Windows erinnern (Stichwort „Konsole“) werden sich dabei leichter tun als jüngere, die notfalls auf eine Tastatur, aber nie auf Maus oder Gamepad verzichten könnten.

ICC ist wie eine zum Auto umgebaute Kutsche. Man hat keine Pferde mehr vorgespannt, aber ein richtiges Auto sieht eben doch anders aus – und fährt sich auch anders.

Während ich diese Zeilen schreibe, sind rd. 1.100 Spieler bei ICC online. Das ist nicht viel (verglichen mit den anderen Servern), aber darunter sind 73 Titelträger (alleine 20 Großmeister). Dies zeichnet ICC aus: hier spielen (insbesondere US-amerikanische) erfahrene, starke Spieler. ICC ist ein Server für Vereins- und Turnierspieler, nicht für Hobbyspieler. ICC führt eine Kooperation mit dem amerikanischen Schachverband US Chess Federation und veranstaltet offizielle Online-Turniere der USCF – auch dies eine tolle Sache für ernsthafte Schachspieler, nicht für die breite Masse.

Premium Chess incl. FIDE Online Arena

Auch der Weltschachbund FIDE betreibt eine eigene Online-Arena (FOA) und nutzt dazu die Plattform Premium Chess.

Hier sind selten mehr als 1.000 Spieler gleichzeitig online, und auch von diesen ist nur ein Teil FIDE-Mitglied (der Rest sind Premium-Chess-User, überwiegend aus Italien).

Eigentlich sind die Rahmenbedingungen für einen Erfolg der FIDE Online-Arena nahezu perfekt: Wer hier spielt, erhält ein offizielles FIDE-Rating (Online-Rating für die drei Bedenkzeitregelungen Bullet, Blitz und Rapid) und wird in den FIDE-Ranglisten geführt (was musste man früher noch für Klimmzüge machen, um überhaupt eine FIDE-ID zu erhalten). Mehr noch, es gibt offizielle FIDE-Titel bis hin zum Arena Großmeister. Da mag ein „richtiger“ Großmeister natürlich drüber lächeln, aber eine eigene Titelkategorie für Online-Amateurspieler ist m. E. nicht die dümmste Idee, die der Weltschachbund in den letzten Jahren hatte. Und auch für einen guten club player ist es (aus eigener Erfahrung) gar nicht so einfach, in der FIDE Online Arena den Titel eines Arena Großmeisters zu erspielen (ich sage dies aus eigener Erfahrung).

Auch in Sachen Anti-Cheating hat man sich hier etwas einfallen lassen (schließlich wird hier um FIDE-Rating und offizielle Titel gespielt). Details der Anti-Cheating-Software werden natürlich nicht bekannt gegeben, aber im Prinzip werden bei wichtigen Turnieren die gespielten Partien nach Turnierschluss auf Cheat-Verdacht analysiert, d. h. die gespielte Partie selbst und nicht etwa nur die Überwachung von im Hintergrund laufenden Programmen ist Basis für die Überwachung. Das automatische Anti-Cheating bei freien Partien ist dagegen nervend: wenn man während der Partie auch nur eine Musik-Software auf dem PC laufen hat, kann man sicher sein, automatisch generierte Emails zu erhalten, in denen einem unsportliches Verhalten vorgeworfen wird.

Die Software selbst und das Gameplay sind sehr gut (vielleicht läuft es auch nur so gut und flüssig, weil die Server so wenig Traffic zu verarbeiten haben). Das Turnierangebot ist geringer als bei den anderen Servern, aber im Grunde ausreichend. Wenn – ja wenn nur mehr Spieler da wären!

Und damit sind wir beim Dilemma von FOA und Premium Chess: Es ist schlichtweg nicht genug los! Hier findet man nicht zu jeder Tages- oder Nachtzeit rasch einen Gegner in gewünschter Spielstärke und mit gewünschter Bedenkzeitregelung. FOA (mit offensichtlich hohen Erwartungen erst vor wenigen Jahren an den Start gegangen) ist mit Abstand der Schach-Server mit den geringsten Spielerzahlen. Woran liegt das?

Ich tappe im Dunkeln. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Ordnung. Die Möglichkeit um offizielles Rating und Titel zu spielen ist einzigartig. Das Turnierangebot ist gering, aber auch zu Top-Turnieren (zuletzt wurde eine Qualitkation zur Amateur-Weltmeisterschaft incl. freier Unterkunft etc. ausgespielt) finden sich weniger als 100 Teilnehmer ein. Die Software ist absolut konkurrenzfähig (Stärken und Schwächen hat jeder Schach-Server).

Es mangelt definitiv an einer aktiven Community (wo sollte die allerdings auch angesichts der niedrigen Spielerzahlen herkommen). Aber auch seitens der Betreiber hat man nicht den Eindruck, dass hier jemand mit Begeisterung und Herzblut bei der Sache ist (wie anders doch als z. B. bei Lichess). Alles wirkt unangenehm steril. Und so ertappe ich mich immer öfter dabei, ein ergebnisloses Warten auf einen attraktiven Gegner abzubrechen und mich auf einem anderen Schach-Server einzuloggen. Schade eigentlich.

Chess24

Während bei den oben genannten Schach-Servern das aktive Spielen im Vordergrund steht und um (mehr oder weniger umfangreiche) zusätzliche Funktionen wie Videos, Trainings, Communities etc. ergänzt werden, verhält es sich beim Konzept von Chess24 umgekehrt: Hier stehen „Lernen, Lesen und Sehen“ an erster Stelle, das Spielen (die sogenannte PlayZone) ist die Ergänzung. Entsprechend kann das Spielangebot und vor allem die Funktionalität der Spielsteuerung mit den übrigen Servern nicht ganz mithalten.


Inhalt aktualisiert am 18.03.2017

Nichts für schache Nerven

Nicht immer ist Schwarz der Angreifer in scharfen Abspielen des Dark Knight System – in dieser Partie muss der schwarze König selbst über das halbe Brett hecheln und erreicht nur mit Glück die rettende Festung.

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Figurenopfer in der Abtauschvariante

In der Abtauschvariante der Niemzowitschverteidigung gibt es ein riskant-schönes Opfermotiv: der schwarze Läufer auf g4 bleibt nach weißem h2-h3 einfach stehen! Schlägt Weiß ihn, landet der schwarze Königsspringer auf g4 und droht zusammen mit der Dame auf h5 schweren Angriff auf h2.

In der folgenden Schnellschachpartie (10+0) auf Lichess war diese Idee gegen einen starken Gegner auch in ungünstiger Ausgangsposition fast erfolgreich: